St. Gregor-Jugendhilfe und Kreisjugendring veranstalten Generationen-Nähkurs

Von Vera Novelli

Marlin fixiert die Naht. Schön gerade muss sie sein, perfekt. Die Nähmaschine rattert. Marlin ist zwölf, Realschülerin aus Schwabmünchen. Der Generationen-Nähkurs Familien-Nähcafé, den die St. Gregor-Jugendhilfe in Schwabmünchen und der Kreisjugendring Augsburg Land veranstalten, kam ihr gerade recht. Marlin hat ein Ziel, nämlich eine eigene Nähmaschine. „Wenn die Tasche gut gelingt, kriegst du sie“, versprachen Mama und Papa.

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„Marlins Eltern haben sich den Weg zur neuen Nähmaschine ihrer Tochter nicht entgehen lassen“, lacht Jessica Götz, Kunstpädagogin und stellvertretende Leiterin des Zentrums für Kinder- und Jugendkultur „u_turn“ in Schwabmünchen. Götz und der Sozialpädagoge der St. Gregor-Jugendhilfe, Markus Seiler, hatten die Idee: ein Nähcafé im „u_turn“, in dem sich Großeltern, Eltern und Kinder zum gemeinsamen kreativen Arbeiten treffen und boten die Veranstaltung im Rahmen des Bildungsprogramms „Familie leben“ jetzt erstmals an. Gleich der erste Termin an einem Samstagnachmittag wurde ein Erfolg. Bei Kaffee, Saft und Mineralwasser sowie Kuchen und Keksen legten vier Nähteams aus jeweils einem Kind und einem Elternteil los. Marlin kam mit ihrer Schwester Elja, die ebenso den Kauf der Nähmaschine unterstützt. Auch die zehnjährige Elja näht mit Begeisterung. Elja arbeitete mit ihrem kreativen Papa, der auch gern kocht.

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„Sieht man ja“, lacht der „starke“ Mann. Marlin bekam Unterstützung von ihrer Mutter.

„Klappt prima“, freute sich Jessica Götz mit Blick auf die vier Nähteams. Ziel des Familien-Nähcafés ist, „sich über das Handwerkliche in entspannter Atmosphäre näherzukommen“. Man wolle so Eltern und Kinder, die vielleicht sonst kaum Zeit miteinander verbringen, zwanglos zusammenrücken lassen, bestätigt Markus Seiler von der St. Gregor-Jugendhilfe.

Obwohl die beiden Teams jeweils aus Mama/Papa und Tochter bestehen, ist sehr wohl eine „Oma“ dabei. Renate Helms, gelernte Schneiderin im Ruhestand, und bereits selbst Großmutter, hat beim Generationen-Nähkurs alle Hände voll zu tun: gerade hilft sie bei der kniffligen Patchworkdecke von Katharina (13). „Die wird für mein Brüderchen“, erzählt das Mädchen stolz. Ihre Mutter lächelt und streicht über den beachtlichen Babybauch. Jana (10) hat sich gleich mehrere Projekte vorgenommen. Nach einer Stunde hat sie ein Kissen fertig und schneidet eine Tasche zu. Die Mama und Puppe Paula schauen zu. Die Freude am selbst Gefertigten ist bei allen Teams spürbar. Es wird konzentriert gearbeitet, der Kuchen bleibt unberührt.

„Kreativ sein ohne neue Medien, Traditionelles ausprobieren und die Feinmotorik schulen, das sind weitere Ziele dieses kurzzeitpädagogischen Projekts Familien-Nähcafé“, erklärt Jessica Götz. Altes umgestalten, so, wie die Jeanstaschen von Marlin und Elja, die einst Hosen waren, das macht Spaß. Und man merkt, dass Mama und Papa sowie „Oma“ Helms noch richtig was drauf haben beim Arbeiten mit Stoff. „Die Bedeutung des Handwerks und die Mühe der Herstellung wird den Kindern und Jugendlichen hier klar“, fasst Jessica nach drei Stunden Arbeit zusammen. Ganz anders wird der Blick auf Kleidung und deren Konsum. Und dass man auch ein Stück reparieren kann, statt es weg zu werfen, lernen alle. „Wir liegen voll im Trend“, grinst Markus Seiler, „Nähcafé ist in vielen Städten bei den Erwachsenen in. Warum also nicht für Kinder und Eltern?!“

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Schwelgen in schönen Dingen: Kunstpädagogin Jessica Götz zeigt Elja und ihrer Mutter (v.l.n.r.), wie man hübsche Sachen aus gebrauchter Kleidung zaubern kann. Unerlässlich ist der fachmännische Rat von Schneiderin i.R., Renate Helms (hinten).

Das Familien-Nähcafé wird bestimmt wiederholt werden, verspricht Jessica Götz. Der Kostenbeitrag von fünf Euro kann deshalb so gering gehalten werden, weil man große Mengen schöner Stoffe gespendet bekommen hatte. Und weil Schneiderin Renate Helms ehrenamtlich hilft. Nach Stunden tragen Eltern und Kinder richtig tolle Sachen heim. Bis zum nächsten Mal. „Da bringen wir unsere neue Nähmaschine mit“, strahlen Elja und Marlin.

Das Bildungsprogramm 'Familie leben' ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Schwabmünchen und der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Einige Veranstaltungen werden in Kooperation mit den Schwabmünchner Kindergärten und Schulen und weiteren Partnern wie dem Kreisjugendring angeboten. Das vollständige Programmheft 'Familie leben' erhalten Sie unter anderem im Familienbüro der St. Gregor-Jugendhilfe, Museumsstraße 14, Schwabmünchen. Mehr Informationen unter www.familie-leben-smü.de.