Schulverweigerung: die 2. Chance genutzt und Preis von Bundesfamilienministerin gewonnen

Stellvertretend für viele benachteiligte junge Menschen, die eine besonders positive Entwicklung genommen haben, zeichnete Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder im Rahmen des Aktionstags JUGEND STÄRKEN in Berlin vier „verborgene Talente 2010“ aus. Darunter ist der 17-jährige Phillip*, der für seine besonders erfolgreiche Integration in die allgemeinbildende Schule ausgezeichnet wird: 2008 stand er kurz davor, die Schule in der 7. Klasse ohne Abschluss beenden zu müssen. Nun wird er die Realschule Lauingen voraussichtlich 2011 mit einem guten Abschluss und Lehrvertrag in der Tasche verlassen ─ möglich dank der guten Zusammenarbeit der Koordinierungsstelle der St. Gregor-Jugendhilfe mit anderen beteiligten Stellen.

„Phillip* konnte sich so entwickeln und diesen Preis deshalb gewinnen, weil die Vernetzung geklappt hat. Damit ein belasteter Jugendlicher den Weg zurück in die Regelschule schafft, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Jugendlicher, Eltern, Schule, Amt für Jugend und Familie, Ärzte und das gesamte Umfeld“, erklärt Beate Sigl, Leiterin der Koordinierungsstelle Schulverweigerung, die 2. Chance in der Region Nord der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Augsburg. „Wenn uns zum Beispiel die Schule nicht aktiv unterstützt, uns Lehrerstunden zur Verfügung stellt wie in diesem Fall und den Schüler aktiv in die Klasse integriert, ist das Programm nicht durchführbar. Hier hat das super geklappt!“

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Cornelia Halbig und Beate Sigl begrüßen Phillip* in ihrem Büro in Bliensbach. Die Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle ‘Schulverweigerung, die 2. Chance’ der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe haben Phillip* auf seinem Weg zurück in die Schule unterstützt.

Maximal zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gleichzeitig von der Koordinierungsstelle in den Landkreisen Dillingen und Augsburg Nord betreut. Voraussetzung für die Aufnahme in das Programm ist die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten. Zwischen dem Amt für Jugend und Familie, der beteiligten Schule und dem Schulamt ist die Zusammenarbeit sogar im Programm fest vereinbart. Das ist in dieser Form neu und für Sigl „eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg von ‘Schulverweigerung, die 2. Chance’, das hat sich in der Arbeit mit den Jugendlichen deutlich gezeigt.“

Folglich sieht Sigl es auch als ihre wichtigste Aufgabe, die Mitwirkung aller Beteiligten abzustimmen. Das heißt: die Koordinierungsstelle ist ständig damit beschäftigt, die Kommunikation zwischen allen sicherzustellen, die den Jugendlichen auf ihrem Weg zurück in die Schule helfen. Denn der Verbleib an der oder die Rückkehr in die Regelschule ist das wichtigste Ziel des Projektes, als Voraussetzung für einen Schulabschluss und damit für einen erfolgreichen Berufseinstieg.

„Wenn wir das schaffen, dass ein Jugendlicher, der in der Regel komplexe Probleme hatte, ein selbständiges und erwerbstätiges Mitglied der Gesellschaft wird, ist das nicht nur menschlich, sondern auch volkswirtschaftlich ein Riesengewinn“, betont Jürgen Reichert, Direktor der St. Gregor-Jugendhilfe. Die Aussicht auf eine solche Zukunft des Teilnehmers brauchen nicht nur das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Europäische Sozialfonds für Deutschland, durch die das Programm Schulverweigerung - Die 2. Chance kofinanziert wird, sondern vor allem auch der Jugendliche selbst.

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Phillip* und seine Betreuerin Dipl.-Sozialpädagogin Cornelia Halbig.

„Heranwachsende brauchen eine Lebensperspektive, einen Traum“, erklärt Phillips* Betreuerin im Projekt, Sozialpädagogin Cornelia Halbig. Phillips* Traum ist wie bei den meisten Jugendlichen ganz bodenständig: „Eine Familie, zu haben, die mit mir glücklich ist, das heißt, der ich etwas bieten kann. Und dazu brauche ich einen Beruf“, sagt Phillip*. Dieser Traum gab ihm die Kraft an sich zu arbeiten, unterstützt durch seine Betreuerin innerhalb von sechs Wochen den Stoff eines ganzen Jahres aufzuholen und vor allem seine Schulangst zu überwinden.

Fast eineinhalb Jahre hatte er die Schule nur sehr unregelmäßig besucht. Nach einer Wirbelsäulenoperation hatte er monatelang in der Schule gefehlt und mit der Zeit immer stärkere Versagensängste entwickelt. Schließlich habe er „geschwitzt und gezittert und sich nicht mehr in die Schule getraut“, erzählt Phillip*. Und sich immer häufiger von seinem Arzt krankschreiben lassen – um dann noch mehr Stoff zu versäumen und noch mehr Ängste zu entwickeln. Ein Teufelskreis. Deshalb musste auch der Arzt von der Koordinierungsstelle mit ins Boot geholt werden, ebenso wie die Mutter.

Diese meint, Frau Halbig habe „am Anfang manchmal ganz schön hart durchgegriffen“. Aber das sei gut so gewesen. Überhaupt ist Phillips* Mutter sehr zufrieden mit der Unterstützung. Von Anfang an, durch alle Beteiligten, angefangen beim Jugendsozialarbeiter an der Schule, Michael Moser. „Der hat nicht lockergelassen und immer wieder angerufen.“ So habe sie schließlich beim Jugendamt den Antrag auf Hilfe zur Erziehung gestellt, der Vorraussetzung ist für die Finanzierung der Betreuungsstunden durch das Amt für Jugend und Familie. Durch die vielen Gespräche habe Phillip* auch sie als Mutter schließlich wieder ganz anders wahrgenommen.

Und er hat gelernt, seine Ängste zu überwinden. Hat mit seiner Betreuerin regelrecht trainiert, in die Schule hineinzugehen. Gemeinsam mit ihr Pläne für sein Arbeitspensum aufgestellt und immer wieder die Erfolge kontrolliert. Heute braucht er keine Betreuung mehr. Er besucht die Schule gern, findet Anerkennung über seine guten Noten hinaus, ist Tutor, Streitschlichter und unterstützt selbst schwächere Schüler durch Nachhilfe bei ‘Schüler helfen Schülern’. Und sogar die Zusage für einen Lehrvertrag als Bankkaufmann bei der Sparkasse Dillingen hat er bereits.

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Freut sich, dass sich Phillip* wieder in der Schule engagiert: Dipl.-Sozialpädagogin Beate Sigl von der St. Gregor-Jugendhilfe, Leiterin der Koordinierungsstelle ‘Schulverweigerung, die 2. Chance’ hier mit jugendlichen Streitschlichtern an der Realschule Lauingen.

Phillip* ─ eine Erfolgsgeschichte die auch das Bundesfamilienministerium überzeugt hat. Stellvertretend für 31 junge Menschen, die das Programm ‘Schulverweigerung, die 2. Chance’ mit der St. Gregor-Jugendhilfe als Träger im Landkreis Dillingen und im nördlichen Landkreis Augsburg bereits durchlaufen haben.

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