‘Augsburger Weg’ weckt bundesweit Interesse
Rund hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet, darunter zahlreiche Jugendamtsleiter sowie Direktoren und Geschäftsführer von freien Trägern informierten sich am 22. und 23. Juni auf einem Fachtag u. a. über die neue Finanzierungsform der Jugendhilfe, die die Stadt Augsburg und die St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe seit 2007 auf den Weg gebracht haben.

Im Rahmen eines fest vereinbarten Leistungsvolumens kann die St. Gregor-Jugendhilfe bedarfsgerecht und flexibel Hilfen zur Erziehung in Augsburg leisten. Der Lehrstuhl Prof. Dr. Schneider von der Universität Augsburg hat das Projekt von Anfang an wissenschaftlich begleitet.
Inzwischen gibt es Erfahrungen aus mehreren Jahren Begleitforschung und Praxis. Die so gewonnenen Erkenntnisse wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachtages im Rahmen von Fachvorträgen und Workshops vorgestellt.
Die Veranstalter des Fachtages, die Stadt Augsburg, die Universität Augsburg und die St. Gregor-Jugendhilfe, wollten damit nicht nur den fachlichen Austausch der freien Träger untereinander fördern, sondern auch weitere Impulse für die Jugendhilfe geben.
So gab es neben Informationen zu organisatorischen und rechtlichen Aspekten, die von so renommierten Fachleuten wie Prof. Peter-Christian Kunkel von der Fachhochschule Kehl und Dr. Maria Lüttringhaus vorgetragen wurden, vor allem auch die Möglichkeit, die praktischen Auswirkungen der Umstellung auf die so genannte ‘sozialraumorientierte Fallarbeit’ zu diskutieren.
In der abschließenden Plenumsrunde herrschte dann Einigkeit, dass die veränderte pädagogische Haltung vor allem auch zu einer anderen Praxis in der Arbeit mit den hilfesuchenden Familien führte, da schnell auf deren Probleme und veränderte Situationen reagiert werden könne und verschiedenste Hilfeformen unkompliziert, flexibel und auch kombiniert zum Einsatz gebracht werden können.
Und auch wenn sich laut Prof. Schneider die finanziellen Auswirkungen der Umstellung auf das Leistungsvolumen noch nicht exakt beziffern ließen, da für eine seriöse Bewertung die Fallzahlen noch nicht groß genug seien, so sind laut Jürgen Reichert, Direktor der St. Gregor-Jugendhilfe, die Kosten pro Fall in der Modellphase doch nachweislich geringer. Entscheidender jedoch, so Reichert, seien die deutlich verbesserten Möglichkeiten, vorsorglich und frühzeitig für Familien passgenaue Hilfe zu leisten, da sich das in der gesamtgesellschaftlichen Bilanz auf jeden Fall positiv auswirke.