Wissen gibt Sicherheit im Umgang mit der Sexualität - Lehrerfortbildung Sexualpädagogik
„Lehrer sind vertraute Personen für die Kinder – denen einiges gesagt wird und denen manche Veränderung auffällt.“ Vor dem Hintergrund der aktuellen Welle von Aufdeckungen sexuellen Missbrauchs ist deshalb für Michaela Seifferer, Rektorin der Volksschule Am Eichenwald Neusäß, der Methodenworkshop Sexualpädagogik besonders wichtig, der Ende April in ihrer Schule für Lehrerinnern und Lehrer aller Schulen des Schulverbandes stattfand.
Denn ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema Sexualität, Kindern wie Eltern gegenüber, sei wichtig, damit Betroffene den Mut fänden, über das zu reden, was ihnen passiert sei und sich Hilfe zu holen. In der Fortbildung holten sich Lehrkräfte nun das Rüstzeug, um mit ihren Klassen das Thema Sexualität kindgerecht zu bearbeiten und sich mit Fragen wie: „Was geschieht mit meinem Körper“, dem Wahrnehmen und Setzen von Grenzen zu beschäftigen, aber auch mit ganz lebenspraktischen Dingen wie der Körperhygiene.
Organisiert hat den Workshop Elke Beck, Diplom Sozialpädagogin bei der St. Gregor-Jugendhilfe und Jugendsozialarbeiterin an der Schule, auf Wunsch der Lehrkräfte, die sicherer mit dem Thema umgehen wollten. Sexualpädagogik ist Bestandteil des Lehrplans für die 4. Klasse und stellt Lehrerinnen und Lehrer, die im Studium nicht darauf vorbereitet werden, oft vor Herausforderungen.
„Da geht es um schwierige Emotionen, Tabus, Themen wie Pornografie, Umgang mit schmutzigen Wörtern. ‘Wissen gibt Sicherheit’ ist deshalb ein Motto unserer Fortbildungen“, erklärt Sozialpädagoge Bernd Bönsch von Donum Vitae, der mit seiner Kollegin Marion Annecke die Lehrerfortbildung leitete. Dieses Motto gilt für alle Beteiligten: Lehrerinnen und Lehrer, Kinder und Eltern.

Denn auch die Eltern werden in die schulische Sexualpädagogik im Rahmen eines Elternabends mit einbezogen. „Das ist eine prima Gelegenheit, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Zum Beispiel um sie zu ermutigen, mit ihren Kindern über Sexualität ins Gespräch zu kommen. Die vierte Klasse ist ein gutes Alter, das Thema auch in der Familie anzugehen“, so Annecke. Wichtig ist Bönsch und Annecke ein positiver Zugang zur Thematik, auch unter dem präventiven Aspekt. „Die Kinder sollen ihren eigenen Körper wertschätzen lernen und ermutigt werden, ihrem eigenen Gefühl zu trauen, nur so sind sie in der Lage, Grenzen zu setzen“, sagt Bönsch.
Tauchen im Zusammenhang mit der Bearbeitung des Themas dann doch Probleme auf, ist die Jugendsozialarbeiterin an der Schule meist erste Ansprechpartnerin, die weiß, wo und wie Hilfe zu bekommen ist und die für Kinder und Eltern vor Ort jederzeit schnell erreichbar ist. Lieber jedoch ist Elke Beck von der St. Gregor-Jugendhilfe, die auch als Teilnehmerin bei der Fortbildung dabei war, wenn Kinder sich dem Thema Sexualität selbstverständlich und stark nähern können und es gar nicht erst zu Krisen kommt, bei denen sie bestehen müsste.