Mit Wertschätzung und Respekt Probleme überwinden helfen - MDL Linus Förster bei den Schildbürgern

„Das ist kein Job, das ist eine Lebenseinstellung.“ erklärt Silke Helm-Guggenberger, Gruppenleiterin bei der intensivpädagogischen Jungenwohngruppe „Schildbürger“ ihrem Besucher Linus Förster. Förster, MDL, besuchte die Wohngruppe der St. Gregor-Jugendhilfe im Rahmen von „Rollentausch“, einer Aktion des Forums Soziales Bayern, die Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft die Möglichkeit geben will, soziale Arbeit in der Praxis kennen zu lernen. Förster als jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion nutzt die Chance, um einen Tag lang die Arbeit mitzuerleben, die pädagogische Mitarbeiter und Jugendliche in der Gruppe leisten.

Bevor die „Schildbürger“ aus den unterschiedlichen Schulen kommen, die sie besuchen, lies sich Förster von Helm-Guggenberger Grundlegendes erzählen: Die Erzieherin und ihre Mitarbeiter arbeiten so weit wie möglich ohne Sanktionen, ihre Pädagogik basiert auf der individuellen Wertschätzung jedes einzelnen Jungen, der in der Wohngruppe der St. Gregor-Jugendhilfe lebt. „Da kommt ein junger Mensch mit seinen Problemen zu uns, unter denen er leidet, und mit seinen Stärken. Und bei denen setzen wir an. Wir wollen ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken, die in der Vergangenheit zerstört wurden. Die Jungs sind in einem Alter, wo sie lernen müssen, selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, und dass sie trotz allem was passiert ist, selbst daran arbeiten müssen, zu verstehen und zu verzeihen. Da helfen Strafen nur bedingt weiter.“

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Die sechs Jungen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, die bei den Schildbürgern leben, haben zum Teil Gewalt erlebt, sie konnten keine emotionalen Bindungen aufbauen oder sie bringen Defizite in der Sozialisation oder gar Traumata mit. Ihre Probleme äußern sich beispielsweise in fehlender Impulskontrolle, fehlender Verantwortung für sich selbst, Schul- und Leistungsverweigerung oder frühen Straffälligkeiten. Bei den Schildbürgern erfahren sie Respekt, Geborgenheit und Sicherheit und haben in diesem geschützten Rahmen die Chance, an ihren Problemen zu arbeiten. Wo immer das möglich ist, werden die Eltern dabei einbezogen.

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Methodisch kommt dabei eine ganze Palette von Angeboten zum Einsatz – auch Gruppenerlebnisse in der Natur und körperliche Grenzerfahrungen. Diese „Erlebnispädagogik“ ist unter anderem wegen der Kosten mit Beispielen wie „staatlich finanzierten Segeltörns“ immer wieder in der Diskussion. „Ich will verstehen, wie das Geld, das in Bayern für soziale Leistungen ausgegeben wird, tatsächlich eingesetzt wird und für wen – was es bringt. Hier erfahre ich Dinge, die aus der Theorie allein nicht lernen kann“, erklärt Förster seine Motivation für den „Rollentausch“. So erläutert ihm Helm-Guggenberger, dass zum einen solche Methoden nicht zwangsläufig teuer sein müssen und auch, warum sie bei manchen der Jungs unverzichtbar sind: um zum Beispiel Jungs, die sich selbst und ihre Grenzen nur noch mit Alkoholexzessen oder Drogen spüren können, auch wieder echte Erlebnisse und ihre eigenen Grenzen erfahren zu lassen.

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Die harten Grenzerfahrungen der pädagogischen Arbeit erlebt Förster an diesem Tag nicht, die Jungs zeigen sich von ihrer besten Seite. Nach einen ruhigen, fast schon harmonischen Nachmittag mit gemeinsamen Musizieren sieht sich Förster aber in seinen jugendpolitischen Ansichten bestätigt: die Förderung der Persönlichkeit mit musischen Angeboten und dem starken Ansatz auf die Werterziehung, die bei der St. Gregor-Jugendhilfe die Mitarbeiter durch ihr Menschenbild und ihren Umgang mit den Jugendlichen vorleben und auf die das Team der Schildbürger besonderen Wert legen. Und als wichtigen neuen Ansatz nimmt er die Jungenpädagogik mit, mit der die heranwachsenden jungen Männer manchmal gezielter gefördert werden können, als in einer gemischten Gruppe.