Cafe Sowieso

Erklärung

Die St. Gregor Berufshilfe gGmbH, vertreten durch Ihren Geschäftsführer, Herrn Werner Krause, gibt mit außerordentlichem Bedauern bekannt, dass sie sich nicht mehr in der Lage sieht, den wirtschaftlich defizitären Betrieb des Café Sowieso weiter aufrecht zu erhalten. Das beliebte Lokal schließt infolgedessen seine Pforten zum 27.03.2010. Nachdem die Gesellschafterin der gGmbH für alle Verbindlichkeiten einsteht, wird es definitiv kein Insolvenzverfahren geben.

Im Dezember 2006 hatte die Gesellschaft den Integrationsbetrieb aus den Händen des Insolvenzverwalters übernommen, nachdem seit Gründung im Jahr 2004 keine finanzielle Deckung der Kosten durch die damalige Trägerin und zugleich Gründerin, die Café Sowieso Behindertenintegration gGmbH, zu erzielen war.

Die St. Gregor Berufshilfe gGmbH, welche eine Tochtergesellschaft der Kath. Waisenhausstiftung ist, war nach reiflicher Überlegung in diesen schwierigen Geschäftsbereich eingestiegen. In erster Linie sollten auf diese Weise die Arbeitsplätze der beschäftigten Menschen mit Behinderung erhalten bleiben. Die Belegschaft eines Integrationsbetriebs umfasst sowohl Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung als auch Menschen ohne eine solche. Alle werden nach orts- und branchenüblichen Bedingungen beschäftigt und bezahlt. Ein Integrationsbetrieb wird auch nicht aus öffentlichen Mitteln subventioniert, er erhält lediglich aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe einen sog. Minderleistungsausgleich, welcher die behinderungstypischen Leistungsschwankungen abmildern soll. Dieser Nachteilsausgleich ist mitnichten dazu gedacht und geeignet, die unternehmerischen Risiken eines Integrationsbetriebs auszugleichen.

Für die defizitären Geschäftsverläufe seit der Übernahme gibt es verschiedene Ursachen. Einer der Hauptgründe ist die, im Vergleich zur übrigen Gastronomie, problematischere Kostensituation. Konzeptionell bedingt fallen höhere Personalkosten an. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung sind zwar weitaus leistungsfähiger als gemeinhin angenommen, sie brauchen jedoch Unterstützung durch Fachpersonal, welches gemeinsam mit ihnen die fachlichen Qualitätsstandards sicherstellt. So stehen aktuell in Küche und Service den 5 Menschen mit Behinderung 5 gastronomische Fachkräfte in Vollzeit gegenüber. Hinzu kommen 4 – 5 Aushilfskräfte, welche zur Ergänzung oder bei besonderen Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Dass ein Gastronomiebetrieb ohne Integrationsaufgabe diesbezüglich wesentlich flexibler disponieren kann, ist offensichtlich. Weitere Ursachen sind in der hohen Gastronomiedichte in der Augsburger Innenstadt zu sehen wie auch in der Lage an der Schießgrabenstraße, wo im Sommer nur bedingt eine Außenbewirtung angeboten werden kann.

Die Defizite bewegten sich in den Jahren 2007 und 2008 jeweils im oberen 5-stelligen Bereich, im Jahr 2009 belaufen sie sich nach vorläufiger Auswertung bereits auf einen 6-stelligen Betrag, was maßgeblich auf die allgemeine Konsumzurückhaltung zurück zu führen ist. Diese Entwicklung ließ sich auch nicht durch eine Ausweitung von Werbemaßnahmen und des Angebots (Partyservice, Catering, Teilnahme an Max 09, Menüabende, Biogerichte, Musik- und Kleinkunstveranstaltungen, Mitgliedschaft bei „umweltfreundliches Gastgewerbe Augsburg“ u. v. m.) nachhaltig verbessern. Gleichzeitig wurde natürlich versucht, die Kosten zu reduzieren. Dieses Unterfangen stieß jedoch dort an seine Grenzen, wo die Grundbedingungen eines Integrationsbetriebes tangiert werden, also insbesondere im Bereich der Personalkosten.

Die größte Sorge, bei allen finanziellen Problemen, gilt aber den Beschäftigten und ihrer weiteren beruflichen Perspektive. Besonders die Menschen mit Behinderung stehen diesbezüglich im Mittelpunkt aller Bemühungen. Da sich die Zuspitzung der finanziellen Problematik schon über einen längeren Zeitraum ankündigte, hatten die Verantwortlichen des Trägers bereits im Vorfeld der Entscheidung Szenarien für die Beschäftigten mit Behinderung entwickelt. Unter anderem wurde Kontakt zu klassischen Einrichtungen der beruflichen Integration aufgenommen, um auszuloten, ob es dort Möglichkeiten für die Weiterbeschäftigung der Betroffenen gibt. Konkrete Ansätze zeigten sich in Gesprächen mit Verantwortlichen des Dominikus Ringeisen Werks Ursberg. Dieser etablierte Träger will mittelfristig ein gastronomisches Projekt in Augsburg verwirklichen und beabsichtigt, dort auch Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Die Beschäftigten des Café Sowieso, mit ihrer mehrjährigen Erfahrung in der Gastronomie, könnten aus der Sicht des Dominikus Ringeisen Werks eine wertvolle Ergänzung der Mitarbeiterschaft darstellen. In der Zwischenzeit, bis zur Eröffnung des Projekts könnten die Betroffenen evtl. bei anderen Einrichtungen dieses Trägers übergangsweise beschäftigt werden. Unabhängig von diesem Verfahren ergibt sich für eine einzelne Mitarbeiterin die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz in einer Einrichtung der Kath. Waisenhausstiftung zu erhalten.

Wie eingangs angekündigt, wird das Café Restaurant zum 27.03.2010 geschlossen. Alle festen Arbeitsverträge der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bestehen weiter bis zum 30.04.2010. Damit ist gewährleistet, dass noch ausstehender Urlaubs- oder Überstundenanspruch abgegolten werden kann. Darüber hinaus wird das Café Sowieso auf der Augsburger Frühjahrsausstellung den Stand des Bezirks Schwaben gastronomisch unterstützen.

Mitarbeiter, Betriebsleitung und Träger des Café Sowieso sind sich einig, dass die Zeit bis zur Schließung kein Nachlassen in Angebot und Qualität mit sich bringen wird. Alle wollen die gewohnten Standards aufrechterhalten, um deutlich zu machen, dass es nicht an Leistungsbereitschaft und Fachlichkeit mangelte. Die Kundschaft soll das Café Sowieso in guter Erinnerung behalten.

Mitarbeiter, Betriebsleitung und Träger des Café Sowieso bedanken sich bei allen Gästen für ihre Treue und Unterstützung wie auch für die Anerkennung, die allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Café Sowieso damit zuteil geworden ist. Großer Dank gilt auch den Sponsoren und Spendern, welche durch ihre Zuwendungen manchen Engpass überwinden halfen. Gleiches gilt der Schirmherrschaft unter Herrn Oberbürgermeister Dr. Gribl, der sich sowohl als Person wie auch als Amtsinhaber bei vielen Gelegenheiten für die Belange des „Sowieso“ einsetzte. Den ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen gebührt ein besonderer Dank, haben sie sich doch in selbstloser Weise für ein Projekt eingesetzt, das versucht hat, den Schwächsten in unserer Gesellschaft eine menschenwürdige Existenz zu bieten durch Erwerbsarbeit, Gleichbehandlung, Herausforderung und Anerkennung.

Auskünfte zur Schließung erteilt:

Werner Krause
Geschäftsführer
St. Gregor Berufshilfe gGmbH
Tel. 0821 50 30 4-43