Triple P- positive parenting program
Die Bedeutung der Selbstregulation
Die Selbstregulation der Eltern wird bei Triple P als zentrale Fähigkeit betrachtet. Dazu gehört, dass den Eltern Fertigkeiten vermittelt werden, die sie in die Lage versetzen, Probleme unabhängig und selbstständig zu lösen. Zur Selbstregulation gehören folgende Komponenten:
Selbstsuffizienz
Da Elternprogramme zeitlich begrenzt sind, müssen Eltern lernen, Probleme möglichst selbstständig zu lösen. Anstelle möglichst vieler Hilfen bekommen die Eltern genau so viel Unterstützung, wie sie tatsächlich benötigen. Das macht Eltern unabhängig von äußerer Hilfe, stärkt ihr Selbstbewusstsein und ist kosteneffektiv.
Selbstwirksamkeit der Eltern
Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die Überzeugung der Eltern, dass sie zukünftige Aufgaben, Schwierigkeiten und Probleme in der Erziehung lösen werden. Eltern mit hoher Selbstwirksamkeit sind zuversichtlicher und haben eine positivere Erwartung hinsichtlich der Möglichkeit einer Veränderung. Eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung fördert aktive, selbstständige Problemlösung.
Selbstmanagement
Selbstmanagement beinhaltet diejenigen Fertigkeiten, die Eltern brauchen, um unabhängig von fremder Hilfe den Familienalltag gestalten zu können. Da die Eltern die Verantwortung dafür tragen, wie sie ihre Kinder großziehen möchten, wählen sie selbst Bereiche aus, an denen sie arbeiten möchten. Sie setzen sich außerdem Ziele, wählen spezifische Erziehungs- und Problemlösefertigkeiten aus, die sie anwenden möchten, und bewerten ihren Erfolg anhand ihrer persönlichen Maßstäbe. Das Ziel von Triple P ist es, Eltern zu helfen informierte Entscheidungen zu treffen. Zu diesem Zweck werden ihnen Informationen und Fertigkeiten vermittelt, die auf dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zur liebevollen Kindererziehung basieren.
Ursachenzuschreibung auf das eigene Handeln
Eltern sollen ihre eigenen Anstrengungen zunehmend als Ursache für Veränderungen oder Verbesserungen begreifen, anstatt diese Veränderungen dem Zufall, Alter des Kindes, Reifungsfaktoren oder anderen nichtbeeinflussbaren Faktoren zuzuschreiben. Wenn Eltern Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder auf die eigenen Erziehungsanstrengungen zurückführen, werden sie auch zukünftig davon ausgehen, dass es einen Zusammenhang zwischen der eigenen Anstrengung und dem Ergebnis geben wird. Dies fördert eine positive und aktive Grundhaltung in der Erziehung. Um dies zu erreichen, werden die Eltern angeregt, Ursachen und Erklärungsmodelle für ihr eigenes Verhalten sowie für das Verhalten ihres Kindes zu finden.
Allgemeine Problemlösefertigkeiten
Dieser Aspekt der Selbstregulation betrifft die Fähigkeit der Eltern, erworbene Fertigkeiten und Wissen auch über das aktuelle Problem hinaus anzuwenden. Er bezieht sich auf die Fähigkeit der Eltern, ihr Wissen flexibel anzupassen und das Gelernte auf neue Probleme zu generalisieren, z.B. in späteren Entwicklungsphasen ihrer Kinder, auf Geschwisterkinder oder auf eine Reihe von unterschiedlichen Verhaltensweisen. Als wirklich erfolgreich ist eine Familienintervention dann anzusehen, wenn die Eltern nicht nur in der Lage sind, aktuelle Probleme zu lösen, sondern auch, langfristig eine Vielzahl von Herausforderungen unabhängig zu bewältigen.
Wie wirksam ist Triple P?
Triple P basiert auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Die Wirksamkeit des Programms wird in allen Ländern, in denen es eingeführt wird (z.B. Australien, China, England, Kanada, Schottland, Schweiz, USA), kontrolliert. Bereits Anfang der 80er Jahre wurden erste Forschungsergebnisse präsentiert. In den Studien zeigten sich für die verschiedensten familiären Situationen übereinstimmend positive Ergebnisse. Bei den an Triple P teilnehmenden Eltern sind durchgehend verbesserte Erziehungskompetenzen und große Zufriedenheit zu beobachten. Bei den Kindern verringert sich die Wahrscheinlichkeit zukünftig Probleme zu entwickeln (präventive Wirkung). Zudem nehmen bestehende Verhaltensprobleme deutlich ab. Triple P fördert die emotionale Resilienz und Widerstandskraft von Kindern. Von der Qualität des international verbreiteten Programms überzeugt, führte Prof. Dr. Kurt Hahlweg, Technische Universität Braunschweig, Triple P Ende der 90iger Jahre in Deutschland ein. Auch hier zeigt sich die hohe Wirksamkeit von Triple P.
Ergebnisse aus Deutschland:
Derzeit wird die Effektivität von Triple P in Deutschland im Rahmen eines breit angelegten, aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekts an der TU Braunschweig untersucht. Erste Auswertungen zeigen ähnliche Ergebnisse wie in anderen Ländern, z.B. ließ sich die hohe Zufriedenheit der Eltern mit dem Programm bestätigen, der Anteil an klinisch auffälligem Verhalten bei den Kindern wurde durch das Programm deutlich gesenkt und das elterliche Erziehungsverhalten bedeutsam verbessert. Diese Ergebnisse beruhen sowohl auf den Einschätzungen der Eltern als auch auf Beurteilungen von unabhängigen Beobachtern.
Einige konkrete Ergebnisse:
- Eltern schätzen die Qualität des Programms als hervorragend ein.
- 82% empfanden das Training als hilfreich bis sehr hilfreich.
- Über 80% geben an, dass sich das Verhalten des Kindes verbessert hat.
- 80% geben an, dass sich die Beziehung zum Kind verbessert hat.
- Über 70% sind zufrieden mit den Forschritten, die das Kind gemacht hat.
- 43% geben an, die Partnerschaft habe von dem Training profitiert.
Insgesamt existiert mit Triple P ein wirksames Programm zur Unterstützung von Eltern bei der Kindererziehung und damit zur Prävention von kindlichen Verhaltens- und emotionalen Problemen.
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