Triple-P: das positive Erziehungsprogramm

Die St. Gregor-Jugendhilfe bietet Eltern die Möglichkeit zur Teilnahme an Triple-P-Kursen bei unserem Mitarbeiter Achim Friedrich. Aktuelle Termine werden auf Anfrage bekannt gegeben.

Was ist Triple P?

Triple P (Positive Parenting Program) ist ein wissenschaftlich fundiertes, präventives Erziehungsprogramm, das Eltern – unter Berücksichtigung ihrer Stärken und Ressourcen – positive Erziehungskompetenzen vermittelt. Der Umfang der aufeinander abgestimmten Beratungs-, Trainings- und Unterstützungsangebote richtet sich nach den Bedürfnissen der Eltern.

Was ist positive Erziehung?

Positive Erziehung bedeutet, die Entwicklung von Kindern zu fördern und mit kindlichem Verhalten in einer konstruktiven und nicht verletzenden Art und Weise umzugehen. Kinder, die viel Zuwendung und eine positive Erziehung bekommen, können ein positives Selbstbild aufbauen, ihre Fähigkeiten entwickeln und selbstständig werden. Triple P fördert das Selbstwertgefühl, die sozialen Kompetenzen der Kinder und ihre Fähigkeit, Gefühle auszudrücken. All dies stärkt Kinder und verringert die Wahrscheinlichkeit, Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme zu entwickeln.

Folgende Punkte bilden die Grundlage für eine positive Erziehung:

  • Für eine sichere und interessante Umgebung sorgen
    Das klingt vielleicht banal, jedoch sind Unfälle zu Hause nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen bei kleinen Kindern. Die Wohnung sollte für das Kind sicher sein (z. B. gefährliche Dinge außer Reichweite stellen oder Schränke und Schubladen mit Kindersicherungen versehen). Eine sichere Umgebung bedeutet darüber hinaus, dass Eltern entspannter sein können, während ihr Kind ohne die Gefahr einer Verletzung „auf Entdeckungsreise“ geht. Kinder brauchen eine interessante Umgebung, die viele Möglichkeiten zum Entdecken, Erforschen, Ausprobieren und zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten bietet. Eine Wohnung voller spannender Dinge wird sowohl die Neugier des Kindes als auch seine Sprachentwicklung und geistige Entwicklung anregen. Kinder brauchen gleichzeitig angemessene Beaufsichtigung. Dies bedeutet, zu jeder Zeit zu wissen, wo das Kind sich aufhält, mit wem es zusammen ist und was es tut.
  • Eine positive, anregende Lernatmosphäre schaffen
    Eltern müssen für ihre Kinder da sein. Dies bedeutet nicht, ununterbrochen mit dem Kind zusammen zu sein, sondern da zu sein, wenn es Unterstützung und Zuwendung braucht. Wenn sich das Kind an seine Eltern wendet, sollten diese wenn möglich ihre Tätigkeit unterbrechen und mit dem Kind Zeit verbringen. Eltern sollten ihr Kind ermutigen, etwas Neues zu lernen und Dinge selbst auszuprobieren. Ermutigung und positive Zuwendung machen Spaß und motivieren Kinder zum Lernen.
  • Konsequentes Erziehungsverhalten zeigen
    Für Kinder ist es wichtig, dass ihre Eltern konstant und vorhersehbar reagieren. Konsequenz bedeutet, konstant zu handeln, sofort und mit logischen Folgen – statt mit Strafen – auf unangemessenes Verhalten zu reagieren und dem Kind angemessenes Verhalten zu vermitteln. Wenn Eltern in ihrer Erziehung konsequent sind, lernen Kinder für die Zukunft, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. Gerade wenn Kinder sich manchmal provozierend verhalten, Grenzen austesten oder erweitern wollen, müssen Eltern ruhig bleiben und die Situation ohne Schreien, Schimpfwörter, Drohungen oder Klapse auf den Po bewältigen können.
  • Realistische Erwartungen (an das Kind und sich selbst) aufbauen
    Die Erwartungen von Eltern an ihre Kinder richten sich danach, welches Verhalten sie in Hinblick auf ein bestimmtes Alter für normal halten. Kinder sind aber Individuen, die sich unterschiedlich schnell entwickeln können. Sie müssen einen gewissen Entwicklungsstand erreicht haben, bevor sie neue Fertigkeiten, wie das Benutzen der Toilette, das selbständige Anziehen oder Essen, erlernen können. Probleme können auftreten, wenn Eltern zu früh zu viel erwarten oder wenn sie glauben, ihr Kind müsse perfekt sein bzw. sich immer angemessen verhalten. Es ist für Eltern ebenso wichtig, realistische Erwartungen an sich selbst zu haben. Natürlich sollte man versuchen, das Beste zu geben, aber das Streben nach Perfektion wird lediglich zu Frustration und Überforderung führen.
  • Auch die eigenen Bedürfnisse erfüllen
    Gute Eltern zu sein, bedeutet auch die eigenen Bedürfnisse nach Intimität, Partnerschaft, Erholung und Zeit zu berücksichtigen. Denn ausgeglichene Eltern können geduldiger auf das Verhalten ihrer Kinder reagieren.
  • Ziele von Triple P

    Das Triple P-Programm verfolgt verschiedene Ziele:

  • Die kindliche Entwicklung zu fördern, also Förderung der Gesundheit und sozialen Kompetenzen sowie die Prävention und Reduktion kindlicher Verhaltensprobleme.
  • Eine konstruktive und nicht verletzende Art und Weise im Umgang mit dem Kind. Ungünstige Erziehungsstrategien sollen ersetzt und die Erziehungskompetenz erweitert werden, d.h. es wird eine Förderung positiven Erziehungsverhaltens und eine Steigerung der elterlichen Kompetenz angestrebt. Gleichzeitig soll Missbrauch und Gewalt gegenüber Kindern verhindert werden.
  • Förderung einer positiven Eltern-Kind-Beziehung mit dem Ziel, die Unabhängigkeit und das Wohlergehen der Familie zu steigern. Des weiteren geht es um die Reduktion von mit Erziehung verbundenem elterlichem Stress zur Steigerung der familiären Zufriedenheit.
  • Individuelle Unterstützung (Mehrebenenansatz zur flexiblen Unterstützung von Eltern und Familien)
  • Prinzip der Selbstregulation (s.u.), damit Eltern Probleme unabhängig und selbstbewusst lösen können.
  • Die Bedeutung der Selbstregulation

    Die Selbstregulation der Eltern wird bei Triple P als zentrale Fähigkeit betrachtet. Dazu gehört, dass den Eltern Fertigkeiten vermittelt werden, die sie in die Lage versetzen, Probleme unabhängig und selbstständig zu lösen. Zur Selbstregulation gehören folgende Komponenten:

    Selbstsuffizienz

    Da Elternprogramme zeitlich begrenzt sind, müssen Eltern lernen, Probleme möglichst selbstständig zu lösen. Anstelle möglichst vieler Hilfen bekommen die Eltern genau so viel Unterstützung, wie sie tatsächlich benötigen. Das macht Eltern unabhängig von äußerer Hilfe, stärkt ihr Selbstbewusstsein und ist kosteneffektiv.

    Selbstwirksamkeit der Eltern

    Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die Überzeugung der Eltern, dass sie zukünftige Aufgaben, Schwierigkeiten und Probleme in der Erziehung lösen werden. Eltern mit hoher Selbstwirksamkeit sind zuversichtlicher und haben eine positivere Erwartung hinsichtlich der Möglichkeit einer Veränderung. Eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung fördert aktive, selbstständige Problemlösung.

    Selbstmanagement

    Selbstmanagement beinhaltet diejenigen Fertigkeiten, die Eltern brauchen, um unabhängig von fremder Hilfe den Familienalltag gestalten zu können. Da die Eltern die Verantwortung dafür tragen, wie sie ihre Kinder großziehen möchten, wählen sie selbst Bereiche aus, an denen sie arbeiten möchten. Sie setzen sich außerdem Ziele, wählen spezifische Erziehungs- und Problemlösefertigkeiten aus, die sie anwenden möchten, und bewerten ihren Erfolg anhand ihrer persönlichen Maßstäbe. Das Ziel von Triple P ist es, Eltern zu helfen informierte Entscheidungen zu treffen. Zu diesem Zweck werden ihnen Informationen und Fertigkeiten vermittelt, die auf dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zur liebevollen Kindererziehung basieren.

    Ursachenzuschreibung auf das eigene Handeln

    Eltern sollen ihre eigenen Anstrengungen zunehmend als Ursache für Veränderungen oder Verbesserungen begreifen, anstatt diese Veränderungen dem Zufall, Alter des Kindes, Reifungsfaktoren oder anderen nichtbeeinflussbaren Faktoren zuzuschreiben. Wenn Eltern Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder auf die eigenen Erziehungsanstrengungen zurückführen, werden sie auch zukünftig davon ausgehen, dass es einen Zusammenhang zwischen der eigenen Anstrengung und dem Ergebnis geben wird. Dies fördert eine positive und aktive Grundhaltung in der Erziehung. Um dies zu erreichen, werden die Eltern angeregt, Ursachen und Erklärungsmodelle für ihr eigenes Verhalten sowie für das Verhalten ihres Kindes zu finden.

    Allgemeine Problemlösefertigkeiten

    Dieser Aspekt der Selbstregulation betrifft die Fähigkeit der Eltern, erworbene Fertigkeiten und Wissen auch über das aktuelle Problem hinaus anzuwenden. Er bezieht sich auf die Fähigkeit der Eltern, ihr Wissen flexibel anzupassen und das Gelernte auf neue Probleme zu generalisieren, z.B. in späteren Entwicklungsphasen ihrer Kinder, auf Geschwisterkinder oder auf eine Reihe von unterschiedlichen Verhaltensweisen. Als wirklich erfolgreich ist eine Familienintervention dann anzusehen, wenn die Eltern nicht nur in der Lage sind, aktuelle Probleme zu lösen, sondern auch, langfristig eine Vielzahl von Herausforderungen unabhängig zu bewältigen.

    Wie wirksam ist Triple P?

    Triple P basiert auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Die Wirksamkeit des Programms wird in allen Ländern, in denen es eingeführt wird (z.B. Australien, China, England, Kanada, Schottland, Schweiz, USA), kontrolliert. Bereits Anfang der 80er Jahre wurden erste Forschungsergebnisse präsentiert. In den Studien zeigten sich für die verschiedensten familiären Situationen übereinstimmend positive Ergebnisse. Bei den an Triple P teilnehmenden Eltern sind durchgehend verbesserte Erziehungskompetenzen und große Zufriedenheit zu beobachten. Bei den Kindern verringert sich die Wahrscheinlichkeit zukünftig Probleme zu entwickeln (präventive Wirkung). Zudem nehmen bestehende Verhaltensprobleme deutlich ab. Triple P fördert die emotionale Resilienz und Widerstandskraft von Kindern. Von der Qualität des international verbreiteten Programms überzeugt, führte Prof. Dr. Kurt Hahlweg, Technische Universität Braunschweig, Triple P Ende der 90iger Jahre in Deutschland ein. Auch hier zeigt sich die hohe Wirksamkeit von Triple P.

    Ergebnisse aus Deutschland:

    Derzeit wird die Effektivität von Triple P in Deutschland im Rahmen eines breit angelegten, aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekts an der TU Braunschweig untersucht. Erste Auswertungen zeigen ähnliche Ergebnisse wie in anderen Ländern, z.B. ließ sich die hohe Zufriedenheit der Eltern mit dem Programm bestätigen, der Anteil an klinisch auffälligem Verhalten bei den Kindern wurde durch das Programm deutlich gesenkt und das elterliche Erziehungsverhalten bedeutsam verbessert. Diese Ergebnisse beruhen sowohl auf den Einschätzungen der Eltern als auch auf Beurteilungen von unabhängigen Beobachtern.

    Einige konkrete Ergebnisse:

    • Eltern schätzen die Qualität des Programms als hervorragend ein.
    • 82% empfanden das Training als hilfreich bis sehr hilfreich.
    • Über 80% geben an, dass sich das Verhalten des Kindes verbessert hat.
    • 80% geben an, dass sich die Beziehung zum Kind verbessert hat.
    • Über 70% sind zufrieden mit den Forschritten, die das Kind gemacht hat.
    • 43% geben an, die Partnerschaft habe von dem Training profitiert.

    Insgesamt existiert mit Triple P ein wirksames Programm zur Unterstützung von Eltern bei der Kindererziehung und damit zur Prävention von kindlichen Verhaltens- und emotionalen Problemen.

    Ansprechpartner:

    Achim Friedrich
    Diplompädagoge,
    Triple-P-Trainer

    Familienbüro Königsbrunn
    im Mehrgenerationenhaus
    Bgm.-Wohlfarth-Str. 98
    86343 Königsbrunn
    Telefon (0 82 31) 6 05 86 93

    afriedrich@st-gregor.de