Eine lange Geschichte - kurz erzählt
"... für seine Bürgers Waisen arm ..."
Die St. Gregor-Jugendhilfe - früher Katholisches Waisenhaus - zählt zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Europa. Ihre Entstehung geht auf das Jahr 1572 zurück. Gründungsgedanke war, die Vollwaisen der Stadt Augsburg ökonomisch sinnvoll, aber auch mit dem Ziel einer gemeinsamen Heimat zusammenzufassen. Dazu kaufte der Magistrat in der Bäckergasse ein Haus, in dem schon vier Jahre später 400 Kinder untergebracht waren.
Diese auch für andere Städte vorbildliche Einrichtung war nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 zunächst für Kinder beider Konfessionen gedacht. Kurz nach dem Westfälischen Frieden erfolgte jedoch im Jahr 1649 eine Trennung. Das Kath. Waisenhaus wurde an seinen jetzigen Standort verlegt. Als Trägerin besteht bis heute eine Stiftung, die ursprünglich von der Stadt verwaltet wurde und seit 1961 einer selbständigen privaten Administration anvertraut ist.
Das Leben der Waisenkinder wurde in früheren Jahrhunderten vor allem vom sozialen Umfeld und von den politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten ihrer Zeit geprägt. Die Mehrheit der Augsburger Stadtbevölkerung lebte in Armut. Glanz und Reichtum der Freien Reichsstadt waren auf nur wenige beschränkt. Kriege, Pest und Mißernten hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Kinder des Waisenhauses. In Krisenzeiten war ein Überleben nur durch Unterstützung großherziger Bürger möglich, ein Leben außerhalb der ökonomischen Notwendigkeiten gab es kaum. Der Tagesablauf war bestimmt durch den Dreiklang Arbeit, Gebet und Schule. Überliefert sind nur die harten Lebensbedingungen dieser "geschichtslosen" Kinder, nicht ihr Empfinden von Leid oder von bescheidenem Glück durch das Leben in der Gemeinschaft.
Im Jahr 1853 vollzog sich eine entscheidende Wende zum Positiven: Der neugegründete Orden der Armen Schulschwestern übernahm die Anstaltsleitung. Statt Strenge und Disziplin wurden mütterliche Fürsorge und Herzenswärme zum tragenden Element. Aufgabe der Erziehung war es nun auch, Begabungen in einer eigenen Heimschule zu fördern. Von da an sind nicht nur Knechte und Mägde, sondern Facharbeiter und zum Teil auch Akademiker aus dem Waisenhaus hervorgegangen.
Äußere Einflüsse konnten mit Ausnahme der Zerstörung des Gebäudes am Ende des 2. Weltkrieges weitgehend von den Kindern ferngehalten werden. Anfang der 1980er Jahre wurden die Schwestern abberufen, um ordenseigene Heime zu betreuen. Doch schon seit 1967/68 hatte aus pädagogischer Sicht eine dritte Phase begonnen: Sie bestand aus der Öffnung des Heimes nach außen und dem Übergang zur Gruppenpädagogik mit familienähnlichem Charakter. Innenwohngruppen wurden durch Außenwohngruppen ergänzt. Betreutes Einzelwohnen innerhalb oder außerhalb des Hauses ermöglichen eine schrittweise, individuelle Verselbständigung.

Das ehemalige Waisenhaus in einer historischen Ansicht
Der Begriff Waisenkinder hatte sich schon seit Kriegsende erweitert auf mittellose Scheidungs- und Sozialwaisen. Zusätzlich erwuchs dem "St.Gregor-Heim" die Aufgabe der heilpädagogischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die Verhaltensstörungen und Leistungsschwächen aufweisen.
Ab den 80er-Jahren ging die Entwicklung Schlag auf Schlag: 1988 eröffneten wir die erste Heilpädagogische Tagesstätte. Die Kinder sollten möglichst in der Familie bleiben können und dennoch die notwendige Hilfe erfahren. 1994 begannen wir das Prinzip Sozialraumnähe umzusetzen mit dem Start der Außenstelle Bliensbach. 1996 nahm der erste Jugendsozialarbeiter an einer Schule die Arbeit auf - ein wichtiger Schritt auch in Sachen Prävention. 1998 war Start der flexiblen ambulanten Erziehungshilfen.
Das Haus entwickelte sich immer mehr zur modernen Jugendhilfeeinrichtung mit einer differenzierten Angebotspalette. Im Jahr 2003 trugen wir dem auch im Außenauftritt Rechnung: mit neuem Namen - St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe - und mit neuem Logo. Für benachteiligte Jugendliche, die den Übergang in das reguläre Berufsleben nicht ohne Hilfe erlangen können, wurde ein besonderer Betreuungsansatz entwickelt: Die St. Gregor Berufshilfe ermöglicht Beschäftigung, Integration und Qualifizierung.
Heute wird die Palette stetig weiterentwickelt und um notwendige Angebote ergänzt. Mehr Informationen über die Geschichte der St. Gregor-Jugendhilfe finden Sie in unserer Chronik, die Sie gegen eine Schutzgebühr von zehn Euro bestellen können. Senden Sie Ihre Bestellung per E-Mail an unsere Zentrale : info@st-gregor-jugendhilfe.de.
Zeittafel
